Uraufführung
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Komposition, Text:
YURI UMEMOTOLibretto:
GARETH MATTEYMusikalische Leitung:
CHRISTIAN EGGENRegie:
IVAR FURRE AAMSzenografische Beratung, Lichtdesign:
JAKOB OREDSSONKostüm:
INGRID TORVUNDAnime Design, Director:
KANJI OKAIAnime Design:
AKINARI KITAYAMA, KOTA OEBISU, KEI ICHIKAWATechnical Realisation Lead:
MARKUS TARASENKO FADUMSound engineer:
ASLE KARSTADDramaturgie:
TAKUYA MAEHARASopran:
PEYEE CHENCountertenor:
SEAN BELLTenor:
MATHIAS MONRAD MØLLERBariton:
HALVOR FESTERVOLL MELIENFlöte:
ANNE KARINE HAUGEKlarinette:
ROLF BORCHOboe:
MARIE TETZLAFFVioline:
KARIN HELLQVIST, EMILIE LIDSHEIMViola:
BENDIK FOSSCello:
INGVILD SANDNESCembalo:
SANAE YOSHIDAPercussion:
KJELL TORE INNERVIK
In unserer gegenwärtigen Welt der Kryptowährungen und Kryptofaschisten besitzen Katakomben, sowohl als Ort wie auch als Idee, eine immense Macht. Unsere modernen Katakomben ist Mausoleum, Rechenzentrum und Unterbewusstsein zugleich: ein Raum, in dem zwischen den Geistern und Skeletten unserer privaten wie öffentlichen Vergangenheiten Entdeckungen gemacht werden können.
Als Librettist* faszinieren mich Skelette. Wenn wir auf die Überreste urzeitlicher Wesen blicken, fällt es oft schwer, sich das lebendige Geschöpf vorzustellen, das sie einst umgab: Fleisch, Muskeln, Haut, Federn: alles von der Zeit ausgelöscht. Selbst ein menschliches Skelett verrät nur wenig über die Person, die einst in ihm lebte. Und doch bleibt das Skelett das grundlegende Gerüst, auf dem jeder lebendige, atmende Körper beruht, unsichtbar bis nach dem Tod.
Für mich funktioniert ein Opernlibretto auf ähnliche Weise: Es ist ein Skelett, eine Struktur, die mit Musik bekleidet werden soll. Meine Aufgabe besteht daher darin, einem Komponisten das richtige Skelett anzubieten. Eines, das ihm genügend Raum lässt, um daraus ein lebendiges, atmendes (und singendes) Wesen entstehen zu lassen. So wie jedes Skelett einzigartig sein muss, damit ein Geschöpf leben kann, muss auch jedes Libretto einem Komponisten genau das anbieten, was nur er selbst schreiben kann.
Während „crypt“ Yuris erste Oper ist, ist es nicht mein erstes Libretto. Diese Erfahrung erwies sich zugleich als Segen und Herausforderung: Wie kann ich vermitteln, wozu Oper fähig ist, und gleichzeitig sicherstellen, dass wir ein Werk erschaffen, das ausschließlich Yuri komponieren konnte, unabhängig von Operntradition oder Kanon? Manche mögen vermuten, diese Spannung liege vor allem in kulturellen Unterschieden begründet. Innerhalb der Handlung von „crypt“ erscheint eine solche Lesart durchaus verlockend, insbesondere wenn geisterhafte Adlige einen Komponisten herabsetzen, den sie als fremd wahrnehmen. Man könnte darin sogar eine Spiegelung unserer eigenen Zusammenarbeit sehen: ein europäischer Autor, tief in der Oper verwurzelt, und ein japanisches musikalisches Wunderkind, entschlossen, sie neu zu erfinden.
So verführerisch diese Interpretation auch sein mag, unsere zahllosen Gespräche, Überarbeitungen und Neufassungen offenbarten etwas weitaus Persönlicheres. Der Komponist in „crypt_“ steht nicht emblematisch für die japanische Kultur als Ganzes, sondern für Yuri selbst. In seiner Mischung aus Autobiographie und Metatextualität ist die Figur von Yuris eigener kultureller Lebenserfahrung geprägt und nicht von irgendeiner monolithischen Vorstellung „Japans“. So wie Yuri auf Anime-Ästhetiken, stilisierte Stimmen und japanische Geistergeschichten zurückgreift, schöpft er ebenso aus seiner christlichen Erziehung, einer musikalischen Kindheit, die gleichermaßen von Latein wie von Japanisch geprägt war, sowie aus zahllosen Stunden in den merkwürdigeren Winkeln des Internets. All dies floss in unsere kreativen Gespräche ein, von Memes bis zu mittelalterlicher Dichtung, während das Skelett der Oper allmählich Form annahm.
Ein großer Teil meiner bisherigen Arbeit kreiste um LGBTQ+-Themen und verstand Oper sowie Musiktheater als Räume, in denen Fragen von Identität untersucht werden können. Yuri ermutigte mich, auch „crypt“ durch eine ähnliche Linse zu betrachten. Doch statt meine eigene Identität, oder die meiner Community, zu reflektieren, bestand die Herausforderung nun darin, diesen Blick auf Yuri selbst zu richten: einen heterosexuellen, cisgeschlechtlichen japanischen Komponisten. In diesem Prozess öffnete sich Yuri mit bemerkenswerter Ehrlichkeit, entschlossen, dass die Oper kein bereinigtes Selbstporträt darstellen sollte. Stattdessen wollte er, dass sie sich mit seinen eigenen Schwächen, Frustrationen, Zweifeln und Sehnsüchten auseinandersetzt. Das bedeutet jedoch nicht, „crypt“ als dokumentarischen Realismus zu verstehen; vielmehr bleibt die Oper eine fiktionalisierte Reise durch Yuris eigene psychologische Katakombe, neu geöffnet durch Musik und Drama.
Im Zentrum der Oper steht eine Geistergeschichte, die nahezu allen Menschen in Japan vertraut ist und vor über hundert Jahren erstmals von Lafcadio Hearn ins Englische übersetzt und verbreitet wurde: „Mimi-nashi Hoichi“ — „Hoichi ohne Ohren“. Wie so viele Opern fanden auch wir unsere tiefste Inspiration in einer Geschichte über die Musik selbst: ein blinder Biwa-Spieler, der von Geistern verführt und schließlich durch die Hilfe eines blinden Mönchs gerettet wird — allerdings nicht, bevor ihm gewaltsam die Ohren abgerissen werden. Es ist eine Erzählung, in der Musik und Horror miteinander verschmelzen und in der die Vergangenheit die Gegenwart heimsucht; zugleich ist sie weit weniger moralisierend, als sie zunächst erscheinen mag. Obwohl Hoichi schrecklich leidet, endet die Geschichte damit, dass ihm seine Tortur außergewöhnlichen Ruhm und eine neue Identität verschafft — eine passende Parabel für den Komponisten, der nach mehr verlangt.
Geschichten verändern sich, Figuren entwickeln sich weiter, Zeit vergeht, und Skelette beginnen langsam Gestalt anzunehmen. Von unserem ersten Treffen im Jahr 2024 bis zur Vollendung von Yuris Partitur hat das Libretto unzählige Überarbeitungen durchlaufen — vielleicht mehr als jedes andere Projekt, an dem ich bislang gearbeitet habe. Doch gerade dieser Prozess erwies sich als notwendig und belebend, um sicherzustellen, dass „crypt_“ zu einer Oper wurde, die nur Yuri schreiben konnte. Ich könnte nicht stolzer darauf sein, gemeinsam mit ihm an ihrer Entstehung gearbeitet zu haben.
Nach mehr als einem Jahr des Schreibens sind wir schließlich aus den Katakomben hervorgetreten. Nicht mit einem Skelett im Schlepptau, sondern mit etwas weit Lebendigerem: einem atmenden, lebendigen Wesen, das das Erbe der Oper in sich trägt und zugleich mit der Stimme eines Anime-Mädchens singt.
Von Garreth Mattey
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