MÜNCHENER BIENNALE
FESTIVAL FÜR NEUES MUSIKTHEATER

08/05—
20/05/2026

ENDLICH
ASIA AHMETJA­NOVA

Ein Musiktheater von Asia Ahmetjanova und Franziska Angerer

Drei Nornen sitzen am Stamm der Weltesche. Dort spinnen, knüpfen und durchtrennen sie den Lebensfaden, entscheiden über Leben und Tod. In einer Gegenwart, in der das Lebensende zum größten gesellschaftlichen Tabu geworden ist, wird der Kampf um das Aufhalten des körperlichen Verfalls und des Alterungsprozess zur Lebensaufgabe.

Drei Nornen schauen auf die Menschen, verfolgen ihr Tun und bestimmen ihr Schicksal. Sie spinnen, knüpfen und durchtrennen den Lebensfaden, entscheiden über Leben und Tod. In einer Gegenwart, in der das Lebensende zum größten gesellschaftlichen Tabu geworden ist, wird der Kampf um das Aufhalten des körperlichen Verfalls und des Alterungsprozess zur Lebensaufgabe. In ihrem Musiktheater „ENDLICH” wagen die Komponistin Asia Ahmetjanova und die Regisseurin Franziska Angerer die Konfrontation mit dem Unvermeidbaren. Gemeinsam mit einer Gruppe älterer Menschen blicken sie auf die eigene Endlichkeit und das Alter mit all seinen Zuschreibungen. Es entsteht ein gemeinsames Ritual zwischen Mythologie und Performance, das sich der letzten Konsequenz des Lebens stellt.

Diese Inszenierung beinhaltet durchgehende Nacktheit.
Bitte beachten Sie außerdem, dass während der Veranstaltung Stroboskope und blitzende Lichteffekte eingesetzt werden. Dies kann bei lichtempfindlichen Menschen epileptische Anfälle oder Migräne auslösen.

In dem Stück „ENDLICH“ geht es um das Alt-Werden und das Sterben. Der Titel erinnert daran: Jedes Leben geht einmal zu Ende. Eine Gruppe älterer Menschen steht selbst auf der Bühne. Sie sprechen über ihr Leben und über das Alt-Werden. Das ist oft ein Tabu. Viele wollen das Alt-Werden aufhalten. Das Stück fragt: Wie gehen wir damit um, dass wir irgendwann sterben?

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SO

10.05.
15:00
— 16:00

Uraufführung

MO

11.05.
20:00
— 21:00

DI

12.05.
20:00
— 21:00

Hinweis: Stroboskope und blitzende Lichteffekte.

Ein Musiktheater von Asia Ahmetjanova und Franziska Angerer

Drei Nornen schauen auf die Menschen, verfolgen ihr Tun und bestimmen ihr Schicksal. Sie spinnen, knüpfen und durchtrennen den Lebensfaden, entscheiden über Leben und Tod. In einer Gegenwart, in der das Lebensende zum größten gesellschaftlichen Tabu geworden ist, wird der Kampf um das Aufhalten des körperlichen Verfalls und des Alterungsprozess zur Lebensaufgabe. In ihrem Musiktheater „ENDLICH” wagen die Komponistin Asia Ahmetjanova und die Regisseurin Franziska Angerer die Konfrontation mit dem Unvermeidbaren. Gemeinsam mit einer Gruppe älterer Menschen blicken sie auf die eigene Endlichkeit und das Alter mit all seinen Zuschreibungen. Es entsteht ein gemeinsames Ritual zwischen Mythologie und Performance, das sich der letzten Konsequenz des Lebens stellt.

Diese Inszenierung beinhaltet durchgehende Nacktheit.
Bitte beachten Sie außerdem, dass während der Veranstaltung Stroboskope und blitzende Lichteffekte eingesetzt werden. Dies kann bei lichtempfindlichen Menschen epileptische Anfälle oder Migräne auslösen.

In dem Stück „ENDLICH“ geht es um das Alt-Werden und das Sterben. Der Titel erinnert daran: Jedes Leben geht einmal zu Ende. Eine Gruppe älterer Menschen steht selbst auf der Bühne. Sie sprechen über ihr Leben und über das Alt-Werden. Das ist oft ein Tabu. Viele wollen das Alt-Werden aufhalten. Das Stück fragt: Wie gehen wir damit um, dass wir irgendwann sterben?

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Komposition:

 ASIA AHMETJA­NOVA

Konzept und Fassung:

 FRANZISKA ANGERER, CAROLIN MÜLLER-DOHLE

Musikalische Leitung:

 LEONARD WEISS

Regie:

 FRANZISKA ANGERER

Bühne und Lichtdesign:

 MIRJAM STÄNGL

Kostüm:

 SABRINA BOSSHARD

Regiemitarbeit:

 ELLI NEUBERT

Klangregie:

 ARNE VIERCK

Dramaturgie:

 CAROLIN MÜLLER-DOHLE, SEBASTIAN HANUSA

Mezzosopran:

 CONSTANZE JADER

Mezzosopran:

 LANA MALETIĆ

Countertenor:

 JENS GINGE SKOV

Darsteller*innen:

 ANTON KAZDA, WAKI, HEIDI KRAUSE-KOHM, ARMIN DALLAPICCOLA, EDELTRAUT LETTOW, ZIV FRENKEL, ALEXANDER NAGEL
ENSEMBLE MOSAIK

Violine:

 CHATSCHATUR KANAJAN

Flöte:

 KRISTJANA HELGADOTTIR

Oboe:

 SIMON STRASSER

Tuba:

 JACK ADLER-MCKEAN

Percussion:

 ROLAND NEFFE

Klavier, Keyboard:

 ERNST SURBERG
Eine Koproduktion der Münchener Biennale und Deutsche Oper Berlin.
Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale mit freundlicher Unterstützung von pro helvetia und der Gisela-Gronemeyer-Stiftung.

DER LEHM, DAS RITUAL UND DAS SPIEL

Gedanken zum Musiktheater „ENDLICH“ von Asia Ahmetjanova und Franziska Angerer

Aus Lehm erschuf Muttergöttin Aruru den Menschen Enkidu, zu Lehm zerfiel er, nachdem er einen qualvollen vierzehntägigen Tod gestorben war, als Strafe für die Tötung des Himmelsstieres und betrauert von seinem Freund Gilgamesch. In der jüdisch-christlichen Tradition erschafft Gott den Menschen aus Lehm, macht ihn mit der Vertreibung aus dem Garten Eden zum sterblichen Wesen und gibt ihm das „Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“ mit auf den Weg. In zahlreichen Schöpfungsmythen sind Lehm, Erde und Staub, in Verbindung mit Wasser, nicht nur Basis allen pflanzlichen Lebens, sondern auch jener Baustoff des Menschen, zu dem wir dann nach dem Tod alle zerfallen und zersetzt werden — um Humus für neues Leben zu werden. Damit steht der Lehm für das Eingebunden-Sein des Menschen in den Zyklus aus Werden und Vergehen alles Lebendigen — und hat als solcher Eingang in das Mythenmaterial zahlreicher Kulturen gefunden.

Der Lehm ist aber gleichzeitig Voraussetzung für das Werden des Menschen als Kulturwesen. Auf dem fruchtbaren Schwemmland Mesopotamiens wurden die Menschen der sumerischen Kultur sesshaft und begannen Ackerbau zu betreiben. Aus Lehm erbauten sie ihre Städte, auf Tontafeln schrieben sie die früheste, heute bekannte Schrift der Menschheit, aus Lehm formten sie die Gewichte ihrer Webstühle, um Stoffe herzustellen und mit Kleidung ihre nackten Körper zu bedecken.

In diesem doppelt konnotierten Sinne ist Lehm ein zentrales Material im Musiktheater „ENDLICH“ von Komponistin Asia Ahmetjanova und Regisseurin Franziska Angerer: Sieben Menschen, am Ende des Lebens, nackt, wie sie einst auf die Welt gekommen sind, bespielen die Bühne. Einer nach dem anderen scheidet aus dem Spiel aus und wird mit Lehm eingekleidet. Zugleich wird der Lehm zur Moduliermasse des Homo faber: als durch das spielerische Kneten und Formen vom Menschen gestaltete Materie, aber auch, im Bühnenbild Mirjam Stängls, als von der Decke herabhängende Gewichte einer von der Idee eines großen Webstuhls inspirierten Rauminstallation. Die Fäden dieses „Webstuhls“ laufen bei drei Nornen, zwei Mezzosopranistinnen und einem Countertenor, zusammen, und damit drei Figuren, die von den Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie inspiriert sind, die alt-isländische Texte aus der Völuspá, einem Teil der Edda, singen — und die stellvertretend sind für Vorstellungen, wie sie sich in zahlreichen Kulturen und Überlieferungen finden.

Sie entscheiden, wer am Spiel des Lebens teilnehmen darf und wer ausscheiden muss. Ihrer eigenen Existenz haftet bei aller Allmacht etwas Defizitäres an. Sie selber dürfen nicht am Spiel des Lebens teilhaben, sondern können dieses lediglich als Außenstehende beobachten — und sind dennoch, wie das Stück erzählt, vergänglich und müssen, anders, als die alten Menschen auf der Bühne, noch vor dem Schluss von dieser abtreten. Die Idee des Vergehens und Sich-Auflösens als eine konkret strukturgebende Herangehensweise ist auch der Musik Asia Ahmetjanovas eingeschrieben: Die Instrumente des sechsköpfigen Ensembles wer-en nach und nach durch Demontage und Präparationen etwa mit Wollfäden in ihrer gewohnten Klang-charakteristik verfremdet und schließlich ganz zum Verstummen gebracht. Zugleich bedient sich die Komposition aber einer Strategie, mit der Menschen seit dem ersten Gewahrwerden der eigenen Vergänglichkeit gegen diese anspielen, ansingen, antanzen und andichten. Es ist die Transformation von Sprache, Klängen und Bewegungen des Alltags in die strengen Formen von Ritus, Kunst und Spiel, in denen sie – zu Teilen – der realen Welt mit ihrem unerbittlichen Ver-streichen der Zeit enthoben sind. Dies gelingt, indem sie eigenen Gesetzlichkeiten gehorchen und einer eigenen Form von Zeitlichkeit unterworfen sind. Eine historische Form, den Ritus zu strukturieren, ist das römisch-katholische Messordinarium mit seiner Abfolge verschiedener Teile mit je eigener Form und spezifischem Charakter. Hiermit liegt es als Ordnungsprinzip der Komposition von „ENDLICH“ zu Grunde. Dies aber nicht im Sinne einer Auseinandersetzung mit der christlichen Tradition, sondern vielmehr pars pro toto stehend für jene strengen Rahmen, mittels derer in Religion wie Kunst Erfahrungsräume erschaffen und ermöglicht werden, die der Realität enthoben sind – und innerhalb derer sich im Musiktheater in einer ganz eigenen Dialektik von Beschränkung und Freiheit Spiel-Räume für den Homo ludens öffnen: Zum Modulieren des Lehms, für die lustvolle Kombinatorik von Klängen und Bewegungen, für Geburten und Erinnerungen.


Von Sebastian Hanusa

SO

 10.05.
14:15

MO

 11.05.
19:15

DI

 12.05.
19:15

ENDLICH: Was gibt's?
Freiheitshalle

45 Minuten bevor der erste Ton erklingt, fragen wir gemeinsam „Was gibt’s?“ und geben Ihnen erste Einblicke in die Musiktheaterproduktion „ENDLICH“.

MO

 11.05.
21:30

DI

 12.05.
21:30

ENDLICH: Absacker
Freiheitshalle

Im Anschluss an die Vorstellungen von „ENDLICH“ laden wir Sie noch zu einem „Absacker“ ein und schaffen Raum, um untereinander und mit den Künstler*innen ins Gespräch zu kommen.

Gemeinsame Sache

Allein in die Vorstellung? Muss nicht sein. Zu ausgewählten Vorstellungen machen wir GEMEINSAME SACHE. Nach einer unkomplizierten Anmeldung treffen wir uns vor der Vorstellung für ein Kennenlerngetränk und eine kurze Einführung. Ein*e Gastgeber*in wird den Abend begleiten, so dass man auf alle Fälle immer Gesprächspartner*innen hat. Und gemeinsam macht es einfach mehr Spaß.

Termine und Anmeldung