AMAZONAS

Musiktheater in drei Teilen

Gesamtprojekt
Künstlerische Produktion: Peter Ruzicka, Peter Weibel, Laymert Garcia dos Santos
Beratung: Bruce Albert, Davi Kopenawa Yanomami, Siegfried Mauser
Projekt-Initiative: Joachim Bernauer, José Wagner Garcia

Dank für Gastfreundschaft und engagierte Mitarbeit an die Bewohner von Demini (Watoriki), ganz besonders an Davi Kopenawa Yanomami (Schamane und Präsident der Hutukara Associacao Yanomami) und Lourival Yanomami (Schamane und Dorfoberhaupt), an die Schamanen Ari Pakidari Yanomami aus Ajuricaba, André Yanomami und Levi Hewakalaxima Yanomami aus Novo Demini, Isaias Yanomami und Manoel Yanomami aus Toototobi, an Geraldo Kuisitheri Yanomami (Sozialarbeiter und Kameramann, Toototobi) sowie Dário Vitório Yanomami (Lehrer und Kassenführer der Hutukara Associacao Yanomami, Boa Vista).

Aufführungsdauer: ca. 210 Minuten, zwei Pausen

1. TILT
Musik: Klaus Schedl
Text: Roland Quitt (nach Walter Raleigh)
Regie: Michael Scheidl
Bühne und Kostüme: Nora Scheidl
Video: Bernd Lintermann
Dramaturgie: Roland Quitt
Licht: Norbert Joachim
Ton: Paolo Mariangeli
Mitarbeit Regie: Martina Stütz
Kostümassistenz: Nina Greif

Darsteller: Mafalda de Lemos, Moritz Eggert, Christian Kesten

piano possibile:
Flöte, Keyboard und Elektronik: Alexander S. Friedl
Trompete/ Basstrompete und Elektronik: Philipp Kolb
Cello: Mathis Mayr
E-Gitarre: Johannes Öllinger
E-Bass, Kontrabass und E-Gitarre: Tobias Weber
Percussion: Stefan Blum

Musikalische Leitung: Heinz Friedl

Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale

2. A Queda do Céu (Der Einsturz des Himmels)
Musik, Samples: Tato Taborda
Text: Roland Quitt
Konzeption: Tato Taborda, Roland Quitt
Regie: Michael Scheidl
Bühne und Kostüme: Nora Scheidl
Video: Leandro Lima und Gisela Motta
Dramaturgie: Roland Quitt
Licht: Norbert Joachim
Ton: Alexandre Fenerich, Andreas Simon
Mitarbeit Regie: Martina Stütz
Kostümassistenz: Nina Greif

Darsteller: Christian Zehnder (Schamane), Phil Minton (Xawara), Joao Cipriano Martins (Falke), Katia Guedes (Ameise), Nuno Dias (Marder), Bettina Lieder (Erste Stimme), Jochen Strodthoff (Zweite Stimme), Sven Hussock (Dritte Stimme)

Ensemble Moderno de Lisboa:
Trompete: Jorge Almeida, Pedro Monteiro
Horn: Paulo Guerreiro, Carlos Rosado
Posaune: Hugo Assuncao
Tuba: Ilidio Massacote
Schlagzeug: Elizabeth Davis, Richard Buckley, Pedro Araújo e Silva
und
Flöte: Alexander S. Friedl, Stefan Blum, Philipp Kolb

Musikalische Leitung: Heinz Friedl
Musikalische Leitung bei den Proben in Lissabon: Pedro Pinto Figueiredo

Kompositionsauftrag von SESC Sao Paulo und der Landeshauptstadt München

Titel und verschiedene Elemente der Handlung nach dem Buch La chute du ciel von Davi Kopenawa und Bruce Albert (Éditions Plon, Collection Terre Humaine, Paris im Herbst 2010).

Besonderer Dank für die intensive Begleitung mit anthropologischem Hinweis an Bruce Albert.

3. Amazonas-Konferenz. In Erwartung der Tauglichkeit einer rationalen Methode zur Lösung des Klimaproblems
Konzept, Text und Inszenierung: Peter Weibel
Musik und Klanggestaltung: Ludger Brümmer, ZKM | Institut für Musik und Akustik
Bild: Bernd Lintermann, ZKM | Institut für Bildmedien
Projektleitung: Christiane Riedel
Dramaturgie, Projektkoordination: Julia Gerlach
Leitung Bühnentechnik und Licht: Manuel Weber
Klangregie: Sebastian Schottke
Echtzeit-Klangumgebung: Jens Barth, Götz Dipper, Sebastian Schottke, Holger Stenschke
Entwicklung Bühnenprojektion: Nikolaus Völzow
Entwicklung Interaktiver Tisch: Matthias Wölfel
Entwicklung Gesichtsanimation: Martin Schmidt
Video: Christina Zartmann, Moritz Büchner
Mitarbeit visuelle Gestaltung: Stewart Smith
Electric Fish: José Wagner Garcia
Regieassistenz, Abendspielleitung: Jan Gerigk
Szenische Einstudierung (Konferenz): Jochen Strodthoff
Musikalische Einstudierung: Heinz Friedl
Kostüm: Alexa Pollmann, Hellen Oni
Assistenz Projektkoordination: Julia Gottschalk
Assistenz Bühnentechnik, Licht: Max Bäßler
Assistenz Ton: Anton Kossjanenko, Carsten Tradowsky
Assistenz Video: Birgit Benkö, Fabiana Calignano
Recherche: Dominika Szope

Darsteller: Nuno Dias, Moritz Eggert, Sven Hussock, Christian Kesten, Mafaldo de Lemos, Joao Cipriano Martins, Phil Minton, Jochen Strodthoff, Christian Zehnder

Wissenschaftliche Unterstützung: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (Dr. Imme Scholz), Greenpeace (Martin Kaiser), Karlsruher Institut für Technologie (PD. Dr. Axel Schaffer), Max-Planck-Institut für Chemie Mainz (Prof. Dr. Meinrat O. Andreae), Potsdam Institute for Climate Impact Research (Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Dr. Veronika Huber), Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe (Dr. Manfred Verhaagh)

Realisierung

Produzenten (Producer): Joachim Bernauer, Goethe-Institut; Tilmann Broszat, Münchener Biennale; Sergio Pinto, SESC Sao Paulo; Christiane Riedel, ZKM Karlsruhe

Produktionsleitung: Walter Delazer
Produktionsassistenz: Anna Bründl, Anna Wieczorek

Organisatorische Mitarbeit: Jana Binder, Carminha Góngora, Andrea Hartenstein, Isabel Lopes

Stage Manager: Marie Enzler

Orchesterwarte: Christian König, Maximilian Tiedke

Maske: Cornelia Becker, Tanja Lipka, Raimund Vetter

Garderobe: Eva Patzke, Peter Sommerer

Technische Gesamtleitung und Ausstattungsleitung: Werner Kraft
Technische Projektleitung München: Ulli Napp, Peter Weyers
Tontechnik: Andreas Simon, Boris Kluska, Ralf Steyrer
Beleuchtungstechnik: Wolfgang Eibert, Michael Kunitsch, Eduard Schnur
Videotechnik: Roland Reitberger, Andreas Süßmann
Bühnentechnik: Manfred Bachler, David Barry, Georg Frank, Stefan Englberger, Lukas Gröbel, Thomas Lorenz, Marcus Schmidell, Martin Sternecker, Bertram Zöhl
Bühnenausstattung: Magic Effects, Sebastian Bulst
Malerei: Bernhard Antl, Markus Schmiederer, Atelier Schmidbauer
Kostümwerkstatt: Eva Carabova, Okki Zykan

Koordination Kommunikation: Christiane Jekeli
Website Amazonas: Verena Hütter

Vermittlungsprogramm: Annette Geller, Astrid Grabow, Gabriele Herzog-Schröder, Julia Klein

Koproduktion: Münchener Biennale, Goethe-Institut, ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, SESC São Paulo, Hutukara Associação Yanomami, Teatro Nacional de São Carlos (Lissabon)

In Zusammenarbeit mit Opera Days Rotterdam und Netzzeit (Wien)

Gefördert von: Kulturstiftung des Bundes, Programm “Kultur” der Europäischen Union, Deutsche Bank, Fundacao EDP

Die Entwicklung des Projekts wurde unterstützt von PETROBÁS (Rio de Janeiro).

Dank an die Firma Hamburg Süd für den Transport nach Sao Paulo.

Medienpartner: ARTE, Deutschlandradio Kultur, Antena 2, RTP

Weitere Informationen über das Projekt www.amazonas-musiktheater.org


Karten: € 20,–
Ermäßigt: € 10,–

Online-Kartenverkauf: www.muenchenticket.de

Uraufführung:

Sa 8. Mai, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:

So 9. Mai bis Mi 12. Mai, 20 Uhr
Reithalle

Weitere Aufführungen:

21. bis 25. Juli 2010

Sao Paulo

6. bis 9. Oktober 2010

Lissabon

29. Mai 2010

Rotterdam

Projekt- und Komponistengespräch:
Amazonien und Musiktheater. Eine Herausforderung
Begrüßung: Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts

Teil 1
Podiumsgespräch mit Bruce Albert (Anthropologe), Davi Kopenawa Yanomami (Schamane, Sprecher der Yanomami), Joachim Bernauer (Projektkurator, Goethe-Institut) und Laymert Garcia dos Santos (Soziologe)
Moderation: Christoph Bartmann

Teil 2
Komponistengespräch mit Klaus Schedl, Tato Taborda, ZKM
Moderation: Peter Ruzicka

Fr 7. Mai, 17 Uhr
Goethe-Forum, Hilmar-Hoffmann-Saal
Eintritt frei


Der Amazonas ist in Gefahr. Die Welt weiß es. Aber was ist bedroht? Ein Strom, der Meeresbreite erreicht, ehe er sich im Ozean auflöst, bildet die Lebensader für eine Natur mit einer unvergleichlichen Artenfülle an Pflanzen und Tieren; er ist Hauptschlagader und zentrales Nervensystem eines biologischen und kulturellen Lebensraums, in dem Menschen Sinn und Glück als Teil der Natur fanden. Das Paradies natürlichen Reichtums und vermeintlicher Ursprünglichkeit weckte in den Europäern, die es sahen, das typische Doppelgefühl: Bewunderung und Begehrlichkeit, Staunen und (Hab- und Macht-)Gier. Bis das große, Fremden schwer zugängliche Gebiet „erschlossen“ war, dauerte es lange. Die Konsequenzen weißer Eroberung aber lösen heute Alarm aus.

Amazonien ist ein Kerngebiet des globalen Schicksals, ökologisch und kulturell. Das Musiktheaterprojekt, das die Münchener Biennale mit internationalen Kooperationspartnern realisiert, fächert die Aspekte des „amazonischen Schmerzes“ (Peter Sloterdijk) und der amazonischen Zukunft mit allen virtuellen und multimedialen Möglichkeiten des modernen Musiktheaters auf. Drei relativ selbständige Teile stehen für drei Arten des Blicks auf die Amazonas-Geschichte:

1. Der Blick aus der Ferne. Es ist der Blick der Europäer, der „Entdecker“ und Eroberer, zugleich ein Rückblick in Kenntnis der Folgen. Das Libretto dieses Teils montiert Auszüge aus Sir Walter Raleighs „Entdeckungsbericht“ von 1596. Paradies, Furcht vor der Natur, Kampf – und Gold, vor allem Gold sind die Themen. Klaus Schedl holt die Texte in eine Klanglandschaft, die zugleich die Ferne und Aktualität des alten Berichts erfahren lässt.

2. Der Blick aus der Nähe. Es ist der Blick der Indigenen, der Yanomami, eines der großen amazonischen Völker, das seine Traditionen wahren konnte, und ihres Vertreters, des Schamanen Davi Kopenawa Yanomami. Der Schöpfungsmythos der Yanomami wird erzählt, das Hören als zentraler Orientierungssinn in die Aufmerksamkeit gerückt, die Weißen erscheinen in der Trinität als Forscher, Missionar und Goldgräber als Inkarnation des Xawara, des Unheil-Geistes. Die Musik, die gegenüber dem Text immer höhere Bedeutung gewinnt und Momente indigener Traditionen einbezieht, komponierte der Brasilianer Tato Taborda.

3. Der Blick in die Zukunft: Der dritte Teil entsteht als multimediales Projekt des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe in der Konzeption von Peter Weibel, komponiert von Ludger Brümmer. Ein Abend – drei grundverschiedene Teile – drei Dimensionen eines Themas, an dem sich ein Stück globaler Zukunft entscheidet.

Klaus Schedl, 1966 geboren, studierte bei Hans-Jürgen von Bose in München. Er komponierte Solowerke, Kammer-, Vokal- und Orchestermusik und Werke für das Musiktheater. Der Mitbegründer und langjährige künstlerische Leiter des Ensembles piano possibile erhielt zahlreiche Auszeichnungen: u. a. den Kompositionspreis der Stadt Detmold, das Förderstipendium der GEMA-Stiftung und 2009 den Musikförderpreis der Landeshauptstadt München. 1997-99 lehrte er an den Konservatorien Coimbra und Viseu in Portugal. Danach lebte er in London und mit einem IRCAM-Stipendium in Paris. Seitdem beschäftigt er sich intensiv mit Möglichkeiten elektroakustischer Musik. Zentraler Gedanke von Schedls Werk ist eine zeitgenössische Musik, die sich unmittelbar äußert und assoziativ sowie emotional wirkungsvoll ist.

Tato Taborda, 1960 im brasilianischen Curitiba geboren, nahm nach seinen Studien bei Hans Joachim Koellreutter, Esther Scliar und R. Murray Schaffer an den Cursos Latinoamericanos de Música Contemporânea in den Klassen von Helmut Lachenmann und Dieter Schnebel teil. 2004 schloss er seine Ausbildung mit einer Promotion über das Verhältnis von Bioakustik und polyphonem Denken ab. Taborda, der 1980 ein Ensemble für neue Musik gründete, erhielt Kompositionsaufträge u. a. von den Donaueschinger Musiktagen, dem WDR, den Berliner Festspielen und der Biennale São Paulo. Er ist Kurator mehrerer Festivals für neue Musik.

Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ist eine weltweit einzigartige Kulturinstitution. Es reagiert auf die schnelle Entwicklung der Informationstechnologien und den Wandel der sozialen Strukturen. In seiner Arbeit vereint das ZKM Produktion und Forschung, Ausstellungen und Veranstaltungen, Vermittlung und Dokumentation. Mit dem Museum für Neue Kunst, dem Medienmuseum, dem Institut für Bildmedien, dem Institut für Musik und Akustik und dem Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft verfügt das ZKM über vielfältige Möglichkeiten zur Entwicklung von interdisziplinären Projekten und internationalen Kooperationen. Seit 1999 unter der Leitung von Professor Peter Weibel, setzt sich das ZKM in Theorie und Praxis mit den neuen Medien auseinander, erprobt mit Eigenentwicklungen ihr Potential, stellt mögliche Nutzungen exemplarisch vor und setzt sich kritisch mit der Gestaltung der Informationsgesellschaft auseinander.