
11. Münchener Biennale
Internationales Festival für neues Musiktheater
Im Mai 1988 eröffnete Hans Werner Henze die erste Münchener Biennale. In zwei Jahrzehnten hat sich das Festival für neues Musiktheater international etabliert und durch Kooperationen auch die Nachhaltigkeit seiner Ausstrahlung wesentlich stärken können. Die Münchener Biennale war und ist ein Ort des Experiments und des lebendigen Diskurses. 75 Werken des Musiktheaters verhalf sie zur Entstehung und Uraufführung. Eine stolze Zahl von ihnen fand danach den Weg in die Opernhäuser Europas, Asiens und Amerikas. Die Komponisten kamen aus ganz Europa, aus Israel, Japan, China, Indien, den USA. Schwerpunkte und Konzeption des Festivals wandelten sich entsprechend den veränderten Anforderungen, Möglichkeiten und Perspektiven.
Fremde Nähe – das Motto der 11. Münchener Biennale verweist auf ein Paradoxon modernen Lebens. Was ist in der Ära der Globalisierung, der unbegrenzten virtuellen und realen Mobilität nahe, was fern, was fremd, was vertraut? Robinson wird in der Deutung durch Enno Poppe und Marcel Beyer zum Inbegriff moderner Irritation: Der Gesellschaft entrissen, aus der er stammt, will er nicht mehr zurück. Die bestandene Fremde gibt zuverlässigere Nähe als der unhinterfragte Konsens. Carola Bauckholt leuchtet in unsere nächste Nähe, in die Welt der Geräusche und verwandelt sie in eine Fremde, die neue Orientierung verlangt. Fremde Nähe bedeutet im Umkehrschluss, dass uns die Beschäftigung mit dem Fernen näher an uns selbst bringen kann als das, was uns seit eh und je, teils selbstverständlich, teils aggressiv umgibt. Klaus Langs Projekt architektur des regens deutet darauf hin, auch die Individualisierung durch Nähe, die im musikalischen-szenischen Konzept von Jens Joneleits Oper Piero – Ende der Nacht angelegt ist.
Neu in der 11. Münchener Biennale ist eine von der Ernst von Siemens Musikstiftung unterstützte Konzertreihe, mit der die bewährte Zusammenarbeit mit den Münchner Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ergänzt und erweitert wird. Führende internationale Ensembles der Neuen Musik schaffen Gelegenheit, neue Formen und Inhalte von Musik und Musiktheater in diskursiver Nähe zu erleben. Uraufführungen neuer Auftragswerke von Helmut Lachenmann, Brian Ferneyhough, Claus-Steffen Mahnkopf, Sebastian Claren, Márton Illés und Marco Stroppa tragen zur Erweiterung des programmlichen Spektrums bei.
Peter Ruzicka